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Wochenandacht vom 13. Juni 2021

Der Herr ist mein Hirte
nichts wird mir fehlen
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl,
du füllst mir reichlich den Becher.
Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang
und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Psalm 23; Der gute Hirt, GL Nr.37

Dieser Psalm begleitet mich in diesem Jahr durch das Frühjahr. Der Psalm des guten Hirten mit so starken Zusagen
– nichts wird mir fehlen
– er führt mich zum Ruheplatz
– du gibst mir Zuversicht

Unsere derzeitige Situation ist eigentlich das genaue Gegenteil. Es fehlt so vieles – die liebgewordenen Kontakte, frohmachende persönliche Begegnungen, aber vor allem die ganz gewohnte Alltäglichkeit. Fast nichts ist mehr wie vor der Pandemie. Weit und breit kein Ruheplatz und die Zuversicht auf eine baldige Normalität lässt nach.

Seit 1986 gehörte die Fußwallfahrt von Köln nach Trier auf den Spuren des Apostels Matthias über mehrere Tage, mit lieben Menschen in die Himmelfahrtswoche. Jahr für Jahr waren für uns diese Tage „Ruheplatz“ und Zuversicht. Und wenn wir am Ziel unseres Pilgerweges angekommen waren, schwebten alle auf Wolke sieben. 2020 und auch 2021 lässt die Corona Pandemie pilgern in der Gruppe nicht zu, schon gar nicht über mehrere Tage.

Vor mir liegt der Psalm 23

Der Herr ist mein Hirt, er führt mich an Wasser des Lebens – Gott, Gottes Geist sagt mir seinen Beistand zu. Nur Mut!

Wasser des Lebens, was heißt das für mich? Vor einigen Jahren hat dieser Psalm uns als Pilgergruppe über eine ganze Woche, durch ein ganzes Jahr begleitet. Nun begleitet er mich allein. Und ich lese: er stillt mein Verlangen, leitet mich auf rechten Pfaden.
Erleben wir das nicht auch in dieser so besonderen Zeit? Begegnungen und Gespräche finden per Telefon statt, viel ausführlicher als früher, viel regelmäßiger als sonst jemals und tun rundherum gut, trösten, richten auf und machen oft richtig froh. Gemeinsam lachen über ganz Alltägliches befreit und lässt andere Perspektiven erkennen, die Hoffnung aufzeigen. Wasser des Lebens kann so vieles sein.
Und noch eine Erfahrung habe ich gemacht. Da soziale Kontakte über Monate eingeschränkt sind, findet vieles gar nicht statt. Geselligkeiten in großer Runde, Theater, Kulturveranstaltungen, aber auch Sitzungen und Besprechungen sind minimiert, fallen aus. Notwendiges wird geregelt, vieles digital. Eine Folge: alles erhält einen größeren Abstand zu mir selbst und zwangsläufig frage ich mich, war alles, was einen so hohen Stellenwert hatte, wirklich so wichtig? Geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Ist größer, höher, weiter, die Spirale, die sich immer schneller dreht das Maß der Dinge?

Zurück zu Psalm 23

lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.

Es tut gut mit der Zusage nach vorne schauen zu können. Auf den Prüfstand stellen, was wirklich zählt und für die Zukunft aus der derzeitigen Erfahrung Konsequenzen für den Alltag ziehen.

Übrigens, den Psalm 23 gibt es nicht nur im Gotteslob, sondern auch in kölscher Mundart von Ria Wordel

Dr joden Heet

Dr Här es mingen Heet, mir jeit nix av.
Hä hät mich op en jröne Wees jefoht.
Do han ich Foder, Wasser och ze baaschte,
Un keine Hunger bruch ming Siel ze ligge.
Weil Hä et will, kann ich do jrase jon.
Un stupp hä mich och en e dunkel Loch –
Ich ben nit bang, denn Hä, Hä es do.
Du decks mr dr Desch, un die Ööster künne zoluure.
Du deis Pomad op ming Hoore un schötts mr noch e Jlas en.
Loß kumme, die mir Unjods welle.
Die künne mir nix dun. Hä well et nit.
Dr janzen Dag noch darf ich bei im blieve.
Hä hät mich jään, un dat es mingen Trus!

Entnommen aus dem Buch Psalmen op kölsch

Ihnen und uns allen die Zusage in die nächste Zeit: Der Herr ist mein Hirt, er führt mich an Wasser des Lebens und Hä hät mich jään, un dat es mingen Trus.

 

Dieser Impuls wurde vorbereitet von Hannelore Bartscherer