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Impuls für die Woche vom 05. Dezember 2021

B R O T …

ist für uns (über-)lebenswichtig. Es macht uns nicht nur satt und garantiert uns das nackte Überleben, sondern steht auch bei gemeinsamen Mahlzeiten für sozialen Zusammenhalt, Geselligkeit, Freude und Teilen. Nicht umsonst gehört zu den wichtigen Ereignissen in unserem Leben ein festliches Essen mit Menschen, die uns lieb und wichtig sind. Und auch einfache spontane gemeinsame Mahlzeiten erfreuen uns und stärken unsere emotionalen Bindungen. In der Bibel steht dafür der Bericht über die Hochzeit von Kanaan.

Schon im Alten Testament wird bei der Vertreibung aus dem Paradies dem ältesten Kulturnahrungsmittel der Menschheit Bedeutung zugemessen: Gott straft Adam u.a. mit den Worten:

Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, von dem du genommen bist… (Gen. 3.19)

In unserer christlichen Kultur ist das „Vater unser…“ das wohl am häufigsten gesprochene Gebet, und die Bitte:

„…unser tägliches Brot gib uns heute….“

kann (und muss) auch als Flehen verstanden werden. Sicher: Als Bürger eines europäischen Sozialstaates muss trotz persönlicher Bedürftigkeit niemand (ver-)hungern, Die sozialen Einrichtungen des Staates sorgen für eine Grundversorgung, die aus Steuermitteln der Solidargemeinschaft seiner Bürger finanziert wird. Aber wer gibt den mehr als 40 Millionen Menschen auf dieser Welt, die vom Hunger bedroht sind, Nahrung? Wer hat den Hungertod von mehr als 7000 Kindern täglich zu verantworten? Sind das nur die wenigen Superreichen dieser Welt, die sich unter anderem durch Spekulationen über Getreide und landwirtschaftliche Produkte, die noch gar nicht existieren, die Taschen vollstopfen?
Theoretisch bietet unsere Erde genug Nahrung für alle, theoretisch müsste kein Mensch hungern, wenn alle Erträge unseres Planeten gerecht verteilt würden. Wie faires (Ver-)Teilen gelingen kann, können Sie im Neuen Testament unter Joh. 6.2-14 nachlesen. Jesus weist nach einer Predigt seine Jünger an, seinen ca. 5000 Zuhörern zu Essen zu geben. Zur Verfügung stehen aber nur 5 Gerstenbrote und zwei Fische. Die Zweifel von Philippus, der mit dieser Aufgabe betraut wird, sind nachvollziehbar. Aber: Es reicht tatsächlich für Alle! Und – Es bleiben tatsächlich noch zwölf Körbe mit Resten der fünf Gerstenbrote übrig: Ergebnis gerechten Teilens!

Die hier gezeigte Zeichnung von Alo Renard hängt seit vielen Jahren neben unserem Esstisch. Es soll uns daran erinnern, dass es unsere Pflicht ist, verantwortlich mit unserem täglichem Brot umzugehen. Auch wenn unsere Freunde meinen, wir sollten dieses „grausame“ Bild endlich abhängen, weil es ihnen den Appetit verdirbt – es bleibt hängen!

Wir erfreuen uns in den Sommermonaten am leuchtenden Gelb riesiger Rapsfelder, wir haben Spaß daran, uns im Maislabyrinth zu verlaufen, wie schön ist der Anblick wogender Weizenfelder. Ist uns dabei bewusst, dass der größte Teil der Rapsernte nicht zu Margarine oder Rapsöl, das Gros der Maisernte nicht zu Maismehl, ein großer Teil des Weizens nicht zu Mehl und zu Brot verarbeitet wird? Wir nehmen es (bewusst oder unbewusst) hin, dass Destillate aus diesen Rohstoffen in Treibstoffen zu „Biosprit“ für unsere Autos verarbeitet und dort verbrannt werden, statt den Hunger dieser Welt zu stillen.

Wir nehmen es hin, dass unsere Märkte mit exotischem Obst und Gemüse überschwemmt werden, das zum Teil um den halben Globus geflogen wurde, statt sich an den heimischen saisonalen Fruchtfolgen zu erfreuen.

Wir nehmen es hin, dass jeden Tag Unmengen an frischen Lebensmitteln in Containern von Einkaufszentren entsorgt werden, anstatt sie den Tafeln oder bedürftigen Mitbürgern zu überlassen, denen es bei Strafe verboten ist, wertvolle Lebensmittel zu verwerten.

Hier handelt es sich um nur einige Beispiele für unseren Lebensstil von vielen, die uns – bewusst oder unbewusst – mitschuldig am Elend dieser Welt machen.

Vielleicht kommt es nicht von ungefähr, dass das Gebet so weiter geht:

„…und vergib uns unsere Schuld…“

Wenn wir einmal über unseren Alltag nachdenken, fällt uns mit Sicherheit das ein oder andere ein, was wir in diesem Sinne ändern können. Das entlässt uns zwar nicht aus unserer Schuld, hilft aber vielleicht, die Welt doch ein klein wenig besser zu machen.

Dieser Impuls wurde vorbereitet von Gisela Renard