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Wochenandacht für die ersten 3 Wochen der Sommerferien

Leben ist schön, habe nie was schönres gesehen!

Hut ab, das ist doch mal ein Statement! Es stammt von Klaus, dem Geiger, dem bekannten Kölner Musiker, Philosophen und im besten Sinne des Wortes Weltverbesserer, aus einem seiner Lieder. Ich stelle Ihnen den Refrain einmal vor:

Ich sing es laut,
und es fährt mir unter die Haut:
Leben ist schön!
Und Jung und Alt wird mich verstehn.
Wenn ich auch grein
und manchmal tu ich auch weinen,
doch ich weiß,
und da wird mir heiß,
schlottert mein Gebein, tauch ich da hinein!
Leben ist schön!
Habe nie was schönres gesehn. Tauch ich hinein,
weiß ich: Leben, das wird immer sein.

Leben ist schön! Eine steile These in diesen Tagen:
Mit der FFP II Maske vor Mund und Nase, mit AHA Regeln, mit Impfungen und immer wieder Testen hoffen wir langsam aus der Pandemie herauszukommen, diese fiese, kleine Virus endlich zu besiegen, das Tod und so viel Leid und Not über die ganze Menschheit gebracht hat. Und schon wächst die Angst vor der vierten Welle im Herbst.

Und kaum hat man mal ein Ohr für etwas anderes als Corona, da drängt sich die nächste Katastrophe in unser Bewusstsein: Die menschengemachte Klimakatastrophe, gegen die es keine Impfung gibt.
In einigen Teilen der Welt herrscht große Dürre und eine Gluthitze führt dazu, dass Wälder, Dörfer und ganze Städte abbrennen wie Zunder.
In anderen Regionen gibt es sinnflutartige Regenfälle und kleine Bäche werden zu reißenden Strömen, die zusammen mit Schlammlawinen und Erdrutschen Verwüstung und Tod über alles bringen, was auf ihrer Bahn liegt.

Leben ist schön, in diesem Zeiten? Wirklich?

Oder hat der Autor des Psalms 90 doch Recht, der in großer Gottesferne und in Furcht vor dem Zorn Gottes schreibt:

„Die Zeit unseres Lebens währt siebzig Jahre, wenn es hochkommt, achtzig.
Das Beste daran ist nur Mühsal und Verhängnis“ (Psalm 90,10)

Nein, schreit da alles in mir, unser Leben ist nicht nur Mühsal und Verhängnis, unser Leben ist schön, vielleicht nicht jeden Tag, es gibt auch schwere Zeiten und manchmal können wir die Schönheit des Lebens auch nicht sehen.

Und wir wandeln auch nicht durch ein irdisches Jammertal in der Hoffnung auf ein Leben in Fülle bei Gott, wie es manche unserer Kirchenlieder vermuten lassen.

Diese Kirchenlieder sind unfair zu unserem Schöpfergott: Wir sind hineingeboren in seine wunderbare Schöpfung, von der es im Schöpfungsbericht heißt, dass Gott sah, dass es gut war.

Ich schau aus dem  Fenster und sehe, wie draußen alles grünt und blüht und Frucht treibt und ich freue mich an dieser Pracht, die die Seele streichelt.
Leben ist schön!

Ich geh auf die Straße und mir begegnen schwangere Frauen und junge Väter, die ihr Neugeborenes auf dem Arm tragen und mir fällt der Satz ein: Jedes neugeborene Kind ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Gott die Hoffnung für seine Schöpfung noch nicht verloren hat.
Leben ist schön.

Und ich bin im HöVi-Land und ich sehe Kindern und Jugendlichen zu, die nach langer Zeit endlich mal wieder spielen, toben, sich begegnen können.
Ich sehe die  Gruppenleiter*innen, die sich um sie kümmern und die Mitarbeiter*innen, die dafür sorgen, dass es allen gut geht. Und ich denke:
Leben ist schön.

Auch der Psalmenschreiber sieht das Leben ein paar Zeilen weiter dann doch anders: Er hofft auf die Huld und Vergebung, die auch sein Leben wieder schön macht.

Kehre doch um, HERR! – Wie lange noch? Um deiner Knechte willen lass es dich reuen! Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage. Erfreue uns so viele Tage, wie du uns gebeugt hast, so viele Jahre, wie wir Unheil sahn. Dein Wirken werde sichtbar an deinen Knechten und deine Pracht an ihren Kindern. 17 Güte und Schönheit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns! Lass gedeihen das Werk unserer Hände, ja, das Werk unserer Hände lass gedeihn! (Psalm 90, 13 – 17)

Ich lade Sie ein, in diesen Sommertagen einmal ganz besonders auf die Schönheit des Lebens zu achten, ja sie zu suchen.

Vielleicht können wir dann zusammen mit Klaus, dem Geiger singen: Leben ist schön.

 

Dieser Impuls wurde vorbereitet von Michael Paetzold